Ist das Liebe?

liebeStefanie, ein 12-jähriges Mädchen, wächst bei ihren Großeltern auf. Ihre richtigen Eltern kennt sie nicht, kann sich auch nicht an sie erinnern. Ihre Großeltern umsorgen sie fürsorglich. Sie nennt sie nicht Oma und Opa, sondern Mutti und Vati, denn sie sind für sie Mutti und Vati.

Stef, wie sie von fast allen nur genannt wird, ist ein aufgewecktes Kind. Sie freut sich über alles in der Natur, kann Holunder, Schlehe, Weißdorn, Eberesche und andere Gewächse auseinanderhalten, experimentiert mit ihrem Chemiebaukasten, versetzt damit Zimmer und Haus in Rauchschwaden, die heutzutage jeden Rauchmelder zur Verzweiflung brächten. Spaß an der Schule hat sie auch.
Vati ist ein leidenschaftlicher Handwerker, als Rentner hat er die Zeit dazu, pendelt zwischen Haus, Garten und Baumarkt und hält so alles in Ordnung. Mutti strickt für ihr Leben gern, aber nur, wenn ihre Hausarbeit ihr die Zeit dafür gibt.
Stef hat einen Wunsch: Endlich einmal richtig in Urlaub fahren. Sie, Mutti und Vati. Und ihr Wunsch geht in Erfüllung! Urlaub in Mallorca! Mit dem Flugzeug, was für eine Aufregung!
Endlich am Strand angekommen, will Vati Stef eincremen. Mutti ist sich umkleiden. Vati beginnt am Rücken, es folgen Hals und Dekolleté und dann rutschen die Hände unter den Badeanzug und massierten Stef’s kleine Brüste. Sie wehrt sich zwar, aber Vati besteht auf den Sonnenschutz auch unter dem Badeanzug. Von nun an nahm das Unheil seinen Lauf.
Immer öfter gehen von nun an Vatis Hände auf Wanderschaft. Stef’s Gegenwehr lässt Vati nicht gelten, redet von einem kleinen Geheimnis, das jeder Vater zu seiner Tochter habe, macht Stef so ein schlechtes Gewissen. Es sei das Natürlichste der Welt, behauptet er immer wieder und räumt so Stef’s Zweifel aus dem Weg. Woher sollte die 12-jährige wissen, dass dies anders ist? Niemand hatte es ihr erklärt, ihr Leben verlief anders als das ihrer Freunde. In ihrem Leben fehlte eine Generation, ihre Eltern.
Vatis Berührungen werden intensiver. Er nutzt viele Gelegenheiten, wo er mit Stef allein im Haus ist, wenn Mutti bei ihrer besten Freundin zum Stricken weilt. Er geht weiter als nur die Brüste zu berühren, redet auf Stef mit beruhigender Stimme ein, erklärt ihr, dass sie sich nicht schämen müsse, wischt ihr sogar die Tränen weg, als Stef weinend und splitterfasernackt vor ihm liegt, liegen muss.
Als Mutti einmal eher als beabsichtigt nach Hause zurückkommt, scheint sie etwas bemerkt zu haben. Es bleibt aber beim Schein, niemals wird Stef darauf angesprochen, sie traut sich aber auch nicht, sich Mutti anzuvertrauen. Sie liebt doch Vati, noch immer liebt sie ihn, er ist doch ihr Vati.
In ihrer Verzweiflung bastelt sie eine Puppe aus Vatis Lieblings-T-Shirt, nennt sie Voodivoo und steckt Nadeln an die Stellen, an denen Vati ihr weh getan hat. Ihre Gefühle schreibt sie in einem Gedicht nieder:

„Was hast du mir nur angetan,
du widerlicher, alter Mann?
Was du mir zeigtest, all die Stunden,
hätt‘ ich auch selber rausgefunden.
Die Kindheit war so unbeschwert.
Doch nun läuft alles ganz verkehrt.
Wenn du jetzt sagst: „Ich lieb dich sehr!“,
dann glaube ich dir das nicht mehr.
Die Wahrheit ist, das weiß ich nun:
Mit Liebe hat das nichts zu tun!“

(Seite 121)

Erst als Vati erkrankt, hat Stef’s Leiden ein vorzeitiges Ende. Vati hat Krebs, ihm geht es schlecht, er wird bettlägerig, stirbt. Selbst am Sterbebett hat Stef keine Tränen, auch nicht, als sie unverhofft mit dem Leichnam Vatis im elterlichen Schlafzimmer allein ist, nicht am Sarg bei der Beerdigung.
Nun plagen Stef andere Zweifel: Hat sie mit Voodivoo einen Fluch auf Vati geworfen? Ist sie an Vatis Tod mit Schuld? Noch immer vertraut sie sich niemandem an.

liebe-buch

Die Person, der sich Stef später anvertraut, enttäuscht sie sehr. Sie plaudert das Geschehene aus.

Nur Mutti hat sie später angesprochen, Fragen gestellt. Als sie Stef nach langer Zeit die Frage stellte: „Wer hat eigentlich angefangen? Du oder er?“, konnte Stef das erste Mal nach dreißig Jahren wegen dieser Sache weinen.
Mutti wird die ganze Wahrheit auch erst erfahren, wenn sie das Buch liest.

Stefanie, eigentlich Claudia Mech, lebt noch immer in ihrer Heimat. Sie ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder, zwei Mädchen, in genau dem Alter, in dem sie damals auch war.
Ihre Mutti lebt heute bei ihr. Das Leben ist nicht immer einfach mit ihr, hat sie mir verraten. „Aber sie hat mich aufgenommen, als ich niemanden hatte, nun habe ich sie aufgenommen“ sind Claudias eigene Worte.

Und das hat etwas mit Liebe zu tun.

Hier gibt es einen Beitrag des WDR über Claudia Mech und ihr Buch zu sehen.

Die Seitenzahlen in Klammern hinter dem kursiven Text beziehen sich auf  Zitate aus:

Claudia Mech
„Mit Liebe hat das nichts zu tun!“
Elf Uhr Verlag, Lauterbach 2013
ISBN 978-3-936628-19-7

Interessenten können dieses Buch direkt bei der Autorin bestellen. Auf Wunsch wird das Buch mit einer Widmung versehen. Das Buch kostet 11,00 € plus 1 € Versandkosten im Inland  (EU 3 € ). Versand erfolgt durch die Deutsche Post.

Nutzen Sie für Ihre Bestellung folgende e-Mail-Adresse: claudiaubernd(@)aol.com (Bitte die Klammern um das @ weglassen!)

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