Hüterin der Weide

Schäfer ist in der heutigen, von Technik und modernen Technologien dominierten Zeit ein Beruf, den man nun nicht gerade an jeder Ecke oder in jedem Dorf zu sehen bekommt. Nicht nur Natur- und Tierliebe sind Voraussetzung für diesen anstrengenden Beruf, der sich die meiste Zeit unter freiem Himmel abspielt, es gehört sicher auch eine große Portion Enthusiasmus mit dazu.
Daß dieser mittlerweile seltene Beruf meist von Männern ausgeübt wird, ist für uns nichts Neues. Daß mittlerweile auch Frauen in die Männerdomäne eindringen, schon eher. Überraschend dagegen ist die Tatsache, daß sich ein junges Mädchen dazu entscheidet, diesen Beruf zu erlernen und nach Abschluß der Ausbildung weiterhin in diesem zu arbeiten.

Die gebürtige Zeitzerin Susanna Strohschein, eine mittlerweile 22-jährige hübsche junge Frau, ist eine solche Ausnahme.
Der folgende Artikel ist dem Kundenmagazin „click!“ der E.ON Thüringer Energie entnommen:

Jasper ist eine Gelbbacke und Strolch ein Schwarzer. Jasper und Strolch haben sichtlich Spaß, wenn sie über die Wiese fegen, um den Schafen nachzujagen. Doch was wie eine Jagd aussieht, wurde mit ihnen hart erarbeitet. „Hier in der Agrargenossenschaft Sünna züchten wir die Hütehunde selbst und bilden sie auch aus“, erklärt Susanna Strohschein. Sie ist von Beruf Schäferin und Jasper und Strolch sind sozusagen ihre Arbeitsmittel.

Der Beruf des Schäfers wird oft mit einem Klischee verbunden: Man liegt auf der Wiese wie Heidis Ziegenpeter und kaut an Grashalmen, um dann ab und zu den Hunden einen Befehl zuzurufen. Doch weit gefehlt. „Schäfer ist ein sehr schwerer Beruf. Man steht zum einen bei Wind und Wetter draußen, in der Lammzeit weit über acht Stunden am Tag, und zum anderen muss man immer aufmerksam sein. Denn schnell kann es passieren, dass die Schafe am falschen Kraut zupfen, in Richtung Rapsfeld wandern oder die Tiere sich verletzen“, erklärt die 22-Jährige. Und da zudem die Agrargenossenschaft zwischen Öchsen-, Dietrichs- und Ulsterberg ein sogenannter Herdbuch-Betrieb ist, muss man noch nebenbei jede Aktion der acht Zuchtböcke mit einem der 600 Mutterschafe dokumentieren.

„Liebe zur Natur und zu Tieren muss man für den Beruf mitbringen“, erzählt die aus Zeitz stammende Susanna Strohschein. Diese Liebe ist bei ihr auf dem elterlichen Bauernhof gewachsen, wo sie mit Schafen, Schweinen, Enten und Hühnern ihre Kindheit verbrachte: „Tierpfleger wäre ich auch gern geworden, doch der Zoo Leipzig hatte gerade keine entsprechenden Ausbildungsplätze.“ Schade für den Zoo und gut für Sünna, denn nach einem zweiwöchigen Praktikum in einer Schäferei in Mecklenburg-Vorpommern bewarb sie sich bei Schäfermeister Dieter Kästner in Sünna. „Alle zu Hause haben sich riesig gefreut, als ich die Zusage in der Tasche hatte“, so Susanna. Im September 2007 begann die dreijährige Ausbildung. Auf dem Plan standen nicht nur das richtige Füttern und Tränken der Tiere, sondern Klauenpflege, Pflanzenbestimmung und natürlich verschiedene Hütetechniken, um die Herde sicher über Straßen und Wege zu führen. Doch man sollte auch schweißen, den Schlepper reparieren oder einen Pferch bauen können. „Das Hüten mit Hunden ist eigentlich noch am schwersten zu erlernen, denn man muss sich auf die Tiere erst einstellen“, erklärt die Schäfer-Facharbeiterin, die nach getaner Arbeit entspannt die Köpfe von Jasper und Strolch krault.

Die hier vorgestellten Hunde Jasper und Strolch arbeiten mit ihrer Schäferin nach der sogenannten deutschen Hüteweise, die in der Wanderschäferei angewandt wird. Dabei helfen sie ihrer „Chefin“ Susanna, die Schafherde von einem Gehüt zum nächsten zu bringen und betreiben so nebenbei Landschaftspflege, indem sie aufpassen, daß keine angrenzenden Felder und andere Kulturen durch die Schafe Schaden nehmen. Diese Hunde werden als Herdengebrauchshunde bezeichnet und sind oft Deutsche Schäferhunde, Altdeutsche Schäferhunde oder Altdeutsche Hütehunde.

Anders ist es bei der englischen Hüteweise, bei der Schafe in eingezäunten Weiden gehalten werden. Die als Koppelgebrauchshunde bezeichneten Helfer der Schäfer bringen beispielsweise die Schafe für die Pflege zusammen, treiben sie von einer Koppel zur nächsten oder in den heimischen Stall. Zu solchen Arbeiten werden sehr oft Border Collies oder Australien Sheperds genommen.
Wie so oft im Leben gibt es aber auch Ausnahmen: Nele, eine Altdeutsche Schäferhündin, hat in der englischen Hüteweise ihre Berufung gefunden. Und Frauchen Anna Neumann, Betreiberin einer Hundeschule, hat Freude daran, mit Nele gemeinsam zu arbeiten.
Nun treiben die beiden die Schafe nicht aus Spaß durch die Gegend. Geübt werden muß schon, das ist wohl allen klar, aber es gibt wirklich Schafe in der Nachbarschaft, mit denen ernsthaft gearbeitet werden muß. Das ist dann echte Arbeit für Nele und Frauchen.
Die folgenden Bilder in der Galerie zeigen die beiden bei der Ausbildung. Natürlich sind auch Schafe dabei und ihr Trainer Bjintze Jager steht auch nicht nur rum.
Da diese Bilder während der Ausbildung von Nele entstanden sind, ist es möglich, daß nicht alles korrekt zu sehen ist. Man lernt eben noch. Hund und Frauchen.

Es ist doch imer wieder schön anzusehen, wie Mensch und Tier gemeinsam in und mit der Natur zusammenleben. Das trifft für Susanna Strohschein mit ihren Hunden ebenso zu, wie für Anna mit ihrer Nele.

Ich bedanke mich bei der Agentur Trurnit Leipzig GmbH für die freundliche Überlassung von Text und Bildern über Susanna Strohschein für diese Veröffentlichung.
Danke auch an , die diesen Artikel in ihrem Kundenmagazin veröffentlicht haben.

 

Quelle:
click!, Kundenmagazin der
E.ON Thüringer Energie AG, Ausgabe 2/2011, Seite 8, Fotos/Text: Gerald Fährmann, Trurnit Leipzig GmbH

 

Ein besonderer Dank geht an Anna Neumann, die mir ihre Bilder für die Galerie zur Verfügung gestellt hat. Neben ihrer Hundeschule züchtet Anna auch erfolgreich Altdeutsche Schäferhunde in ihrem Zwinger „vom Wolfsmeer“. Nele ist eine ihrer Zuchthündinnen.

 

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Ein Kommentar zu Hüterin der Weide

  1. Anna Neumann sagt:

    Lieber Hartmut,

    das ist wirklich ein ganz doll schöner Artikel geworden.
    Vielen Dank dafür!

    Herzliche Grüße aus dem hohen Norden!
    Anna und Nele

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