Vom Kind zur Kämpferin

Vom Kind zur KämpferinAngst ist etwas schreckliches. Sie quält uns, verführt uns zu falschen Entscheidungen, treibt uns ins Unglück.“ (117)
Und Angst hat sie, die siebzehnjährige Sabine, als sie im ihr fremden Westeuropa ankommt. Hier kennt sie nichts.

 
 

Geboren in Nepal, aufgewachsen in West-Papua (West-Neuguinea) gemeinsam mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern unter einem kleinen Stamm Einheimischer im Urwald lebend. Fremd von jeglicher Zivilisation. Nur das, was ihnen ihre Eltern und die englischsprachige Schule vermitteln, ist ihnen bekannt.

So kommt Sabine Kuegler nach Deutschland, ihrer Heimat, die sie nicht einmal kennt, die nur in ihrem Paß steht. Sie spricht fließend Englisch, Indonesisch und die Sprache der Eingeborenen. Eine perfekte Voraussetzung für einen Schulabschluß im Westeuropa 1989. In einem schweizer Internat im französich sprechendem Gebiet des Alpenlandes schafft sie trotzdem ihren Schulabschluß. Nebenbei muß sie die Vorteile aber auch die Nachteile der Zivilisation kennenlernen.
Sie findet ihre große Liebe, denkt sie, steht dann als 18-jährige mit einem Kind da, heiratet und bekommt ein zweites Kind. Und trotzdem ist sie nicht glücklich. Sie kommt mit dem Leben in Europa nicht zurecht, vermißt „ihren“ Dschungel.
Viel geht schief, sie vertraut Menschen, die es nicht gut mit ihr meinen. Diese Eigenschaft gab es im Dschungel nicht, dort stand Vertrauen ganz oben, war lebensnotwendig, überlebensnotwendig.
Die Ehe scheitert, sie verliert ihre Kinder per Gerichtsbeschluß an ihren in der Schweiz lebenden Ehemann. Geschieden wird sie erst viel später.
Sie trifft Männer, die sie nur liebt, Männer, denen sie vertraut, Männer, die es gut mit ihr meinen. Trotzdem ist nie eine längere Beziehung dabei.
Ihre vermeintlich nächste große Liebe ist ein Kanadier, in Teheran geboren, halb Perser, halb Engländer. Will sie mit ihm gehen, muß sie ihre Kinder verlassen, die von ihrem ersten Ehemann versorgt werden.
Sie holt sich Rat bei einem guten Bekannten.
„Wir redeten stundenlang miteinander, und dann riet er mir zu gehen. Eine gesunde und glückliche Mutter, sagt er, habe einen viel größeren Wert für ihre Kinder als eine tote oder kaputte Mutter. Es gebe in dieser Situation keine perfekte Lösung.“ (214)
Sie heiraten, gehen seiner Arbeit wegen nach Japan, in die Metropole Tokio, bekommen wieder zwei Kinder und wieder ist sie nicht glücklich.
Aber der Aufenthalt in Japan, der Kontakt mit dort lebenden ausländischen Frauen, ihre neue beste Freundin, verändern Sabine. Auch ihr Mann verändert sie. Seine Härte und Kälte zwingen Sabine, selbst zu handeln, auch wenn dabei diese Beziehung zerbricht. Sie geht wieder nach Deutschland, erkämpft sich ihre Kinder aus erster Ehe vor Gericht zurück. Dann bekommt sie ein Angebot, ein Buch zu schreiben, lehnt erst ab, überlegt, willigt ein. Sie beginnt ein Buch über ihre Kindheit (Dschungelkind) zu schreiben, lernt sich und ihr Innerstes dadurch besser kennen und wird glücklich.

Vom Kind zur Kämpferin

Ihr ganzes Leben, vom Kind im Dschungel über die Rückkehr nach Europa, als Geliebte, Frau, Mutter, oft erkrankt an Psyche und Seele, umfaßt dieses Buch. Wir erfahren, wie sie zu einer starken jungen Frau wird.

Sabine Kügler lebt in der Nähe von München und hat zu ihrem zweiten Ehemann, den Vater ihrer letzten beiden Kinder, noch freundschaftlichen Kontakt.

 
 

Die Seitenzahlen in Klammern hinter dem kursiven Text beziehen sich auf  Zitate aus:

Sabine Kuegler
„Jägerin und Gejagte“,
Knaur Taschenbuch Verlag, München, 2011
ISBN 978-3-426-78232-3

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

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2 Kommentare zu Vom Kind zur Kämpferin

  1. Dimiseta sagt:

    Hallo..ich habe den Film x mal angeschaut und am Schluss immer sehr geweint.

    Ich habe „nur“ 4 Jahre(21jahre-26Jahre) in Sydney gelebt. Diese 4 Jahre haben mich sehr geprägt. Ich war auf der Flucht vor meiner Vergangenheit auf der Suche nach Freundschaft und Familie. Ich entdeckte die Liebe zur Natur, dem Meer, dem Wind und der Weite..aber fand keine Familie. Meine „permanent residence“ bekam ich leicht, lebend mit einem Australier. Ich trennte mich und kurze Zeit später dachte ich, ich müsste zurück zu meiner Familie nach Deutschland. Im Wissen, wenn ich nun von Sydney reise, verliere ich meine“permanent residence“. Der Schmerz und das Verlangen nach Zugehörigkeit war so groß, daß mir nicht bewusst war, was ich da eigentlich tue. Ich kehrte heim zu Streit..vielen Fragen..und wurde mir meiner Krankheit bewusst. Ich war seit vielen Jahre depressiv. Das ich wieder in Deutschland war half nicht gerade meinem Gefühl „nie wirklich anzukommen“. Ich fühlte mich „unganz“, ungeliebt (am meisten vonmir selber). Dann wurde mir nach und nach bewusst, was ich getan hatte.

    Heute 30 Jahre später (ich habe mittlerweile 2 wundervolle Jungs grossgezogen), ist die Traurigkeit (die teilweise einer Verzweiflung gleicht) geblieben.
    Immer wenn ich alle Jahre nach Sydney zurückkehr für 3 Wochen fühle ich mich „angekommen“.

    Ich lebe heute im wunderschönen Bayern und es fällt mir oft schwer dem Schönen hier mehr Gewicht zu geben, als der Traurigkeit in mir.

    Liebe Sabine K. ich fühle so mit Dir und sende Dir auf diese. Wege das Vertrauen, daß so sehr nötig ist für uns, daß alles gut ist so wie es ist.
    Hier finde ich immer wieder zurück zu dem Gedanken

    „Das Leben versteht man nur rückwärts. Leben müssen wir es aber vorwärts.“

    Herzlichst

    A.

  2. Brigitte Langner sagt:

    Ich habe mir gestern bis 2:30 Uhr nachts den Film „Dschungelkind“ angesehen. Ein wirklich aussergewöhnlicher und fazinierender Film. Es muss für diese Sabine einfach schrecklich gewesen sein nach Europa und noch dazu in ein Schweizer Internat zu kommen. Ich selbst bin mit 33 Jahren mit Ehemann und Baby nach Kanada ausgewandert. Es war der Wunsch meines Ehemannes. Man kann das natürlich nicht vergleichen. Aber ich weiss, was es heisst, sich in einer fremden Umgebung zu behaupten und zurecht zu kommen. Ich habe nach 18 Jahren Kanada wieder verlassen und bin wieder in meine Heimatstadt in Oberbayern zurück gekehrt. Allein, ohne Tochter. Ich verstehe das alles sehr gut. Man ist da nicht richtig zu Hause und dort auch nicht. Fühlt sich in zwei Welten aber irgendwie Zuhause. „Weder Fisch noch Fleisch“. Aber diese Erfahrung hat mich wirklich zu einem toleranten Menschen gemacht. Der Preis dafür ist / war aber sehr hoch.

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